Donnerstag, 5. Januar 2017

Ich möchte Europa richtiger machen




In Voraussicht, dass ich in Kürze mit der schwersten Forderung an die Menschen Europas herantreten muss, die je an sie gestellt wurde, nämlich diesen Kontinent richtiger zu machen, scheint es mir unerlässlich, mitzuteilen, dass ich letztlich auch nur einer dieser geschichtlichen Größenwahnsinnigen bin. Das Missverhältnis aber zwischen der Größe meiner Aufgabe und der Kleinheit meiner selbst mag darin zum Ausdruck kommen, dass man mich weder gehört, noch auch nur gesehn hat.

Sonntag, 26. April 2015

Wollt ihr den spekulativen Realismus - oder doch lieber empirisch-sinnlichen Utopismus?



DAS-DING-AN-SICH

Es kann nur an mir liegen, dass mir diese Welt der neuen, oder vielmehr neuesten, oder vielmehr allerneuesten Weltverbesserer jeden Tag ein wenig schlechter vorkommt.

Eine sehr allerneuste, aber natürlich: "philosophische" Strömung kommt auf *). Natürlich: sehr "radikal". Philosophisch radikal soll sein, dass der Mensch nicht mehr Subjekt ist, sondern nur Objekt unter vielen Dingen, gleichberechtigt mit Tier, Kühlschrank oder Zigarettenkippe, und "wir" zudem überhaupt in einer Welt chaotischer Unvorhersehbarkeit leben. - "Wir"? Ich denke, ich werd das mit meiner unvorhersagbar gleichberechtigten Zigarettenkippe ausdiskutieren müssen.

Mein Kühlschrank, der nunmehr nicht "mein" Kühlschrank ist, scheint sich ebenfalls einen radikalen Nihilismus zugemutet zu haben, jedenfalls will er das "menschliche" Bewusstsein und dessen vermeintliche Rationalität als Illusion entlarven.

"Mein" Kühlschrank: Wenn "wir" die Sinnlosigkeit unserer Existenz endlich akzeptieren und unser Denken von den sozialen Hürden befreien, wird Nihilismus zu einer prometheischen Chance.

"Mein" Hund holt drei Dosen Bier aus "meinem" Kühlschrank, und sagt es so: „Es geht darum, welches imaginäre Potenzial die Horrorliteratur für Ansätze aktueller Philosophie bereitstellt". Denn nicht nur das Wort "Philosophie" sagen können, sondern auch gleich den Zusatz "neue" dranhängen, kann eigentlich jeder Hund - sofern er bellt. 



*) Verschiedene Autoren sind inzwischen viel gefragte Redner an Kunsthochschulen, Gäste des Feuilletons und auf den philosophischen Bestsellerlisten. Sie sprechen über Science-Fiction, Automatisierung, Algorithmen und Horrorfilme. Alles, um dem Kapitalismus den entscheidenden Todesstoß zu verpassen. Heute, 9.30 Uhr, im Deutschlandradio.






Donnerstag, 4. September 2014

Mehr Härte - Jede denkbare Option



Tagesbefehl an die Kunstarmee




(Philip Hammond)

Mittwoch, 3. September 2014

Tagesbefehl 0309



Tagesbefehl an die Kunstarmee: 

Seid in beständiger Vergrößerung eurer Macht, 
durch welche ästhetischen Mittel auch immer!

Mittwoch, 11. Juni 2014

Der schlichte dreidimensionale Raum passt nicht zur Komplexität der Situation




Der Raum ist dreidimensional, 

weil die menschliche Raumwahrnehmung über nicht mehr verfügt als diese lächerlichen drei Abmessungen. 

Es ist zwar simpel gemacht. 

Aber in der Zeit und zum längeren Überleben reicht es allemal. 

Dennoch: Weil diese Welt ansonsten sehr komplex zu sein pflegt, habe ich es zumindest hintergründig nicht aufgegeben, nach weiteren Dimensionen zu forschen. 

Wo alle drei Richtungen wenigstens auf eine vierte stoßen, beginnt eine andere Welt.





Samstag, 14. September 2013

Zur Ästhetik des schlechten Geruchs




"Formen und Wendungen" 

"… allein ich bekomme nur eine nach der andern, alſo was in der Phantaſie, welche mit reinen Gefühlen der Erinnerung und Sehnſucht unmittelbar verknüpft ſind. Eckelhafter Geruch kann am rechten Orte ein Grauſen äſthetiſcher Art verſtärken. Allein theils iſt dabei der Geruch nur ein Mitwirkendes und nicht das Organ des Ganzen, theils fragt ſich erſt, ob in einem wahrhaft äſthetiſchen Zuſammenhang ein wirklicher oder wirklich dargeſtellter Geruch vorkommen darf (wie z. B. das bei Darſtellungen der Auferweckung des Lazarus häufig von Malern angebrachte Motiv, daß ſich ein Zuſchauer die Naſe zuhält), ob nicht vielmehr nur ein innerlich vorgeſtellter; denn dieſen Sinn wie alle andern werden wir als innerlich geſetzten wiederfinden".






Montag, 1. Juli 2013

Hegel, Kosuth und die Wahrheit über Stuttgart 21




"daß diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist".

Stuttgart Hauptbahnhof. Jeden Abend Leuchtschrift. Ein Spruch von G. W. F. Hegel, „der berühmteste Sohn der Stadt“, aus seiner „Phänomenologie des Geistes“.

Es ist nicht wahrscheinlich, schreibt Literaturprofessor Heinz Schlaffer, "dass sich an einem zweihundert Jahre zurückliegenden Streit über die Möglichkeit philosophischer Erkenntnis ausgerechnet die Deutsche Bahn beteiligen und ihre Parteinahme auf eine derart spektakuläre Weise kundtun wollte. Gegen eine harmlose Deutung der Aktion spricht der Ort, an dem Hegels Devise angebracht wurde: gerade an dem Bahnhof, dessen Teilabriss geplant war und heute verwirklicht ist. Für den praktischen, aktuellen Zweck der scheinbar allgemeingültigen (und doch so anfechtbaren) Denkregel spricht auch der Zeitpunkt, zu dem an den international bekannten Künstler ­Joseph Kosuth, damals Professor an der Stuttgarter Kunstakademie, der Auftrag erging, Hegels Diktum in Leuchtschrift hoch oben an der Bahnhofsfassade zu verkünden.Den Politikern, Ingenieuren und Unternehmern kamen der berühmte Philosoph Hegel und der berühmte Künstler Kosuth gelegen, um dem prekären Vorhaben den Glanz bedeutsamer Worte und fragloser Sicherheit zu verschaffen. Praktische Bedenkenlosigkeit erhielt durch den einschüchternden Namen eines Philosophen höhere Weihen und sollte so die Einwohner der Stadt auf die Seite des Projekts ziehen, ehe ihnen dämmerte, worum es ging und welche Folgen es haben würde. Vermutlich spürten sie damals selbst die „Furcht zu irren“ und setzten sich mit Hegels forschem Paradox über ihre Zweifel hinweg. Wenn die Kosten von Stuttgart 21 dadurch nicht noch weiter steigen würden, machte der jetzige Stand der Erkenntnis eine Ergänzung des missbrauchten und ­irreführenden Zitats notwendig: „ daß diese Furcht vor der Furcht zu irren schon der Irrtum selbst war“.

Man muss es dem Literaturprofessor und Nietzsche-Anhänger nachsehen - er versteht schlichtweg Hegel nicht. Die Furcht vor dem Irrtum war für Hegel nichts anderes als Furcht vor der Wahrheit. Und das Wahre ist für Hegel bekanntlich das Ganze: "Das Ganze aber ist nur das durch seine Entwicklung sich vollendende Wesen…, daß es erst am Ende das ist, was es in Wahrheit ist". Die Furcht zu irren, mag auch in Stuttgart schon der Irrtum sein, sofern man die Wahrheit nicht wissen wollte, die es am Ende erst ist.


Und Kunst, sagt der Kunstsoldat, fürchtet den Irrtum ohnehin nie.




Samstag, 1. Juni 2013

Die Kunst, einen Witz zu machen





"Ein Witz kommt zustande, wenn mindestens zwei Satzsinne schillernd ineinander übergehen oder eindringen, ohne ein stabiles Sinnganzes zu bilden; von der erlebten Dynamik dieser Bewegung doppel- oder mehrsinnigen Schillerns hängt ab, ob der Witz zündet. Diese Satzsinnbewegung braucht keine Zeit, als ob etwa der eine und der andere Gedanke sich in kurzen Abständen im Denken ablösten; das ergäbe keinen Witz, sondern geistige Verwirrung. Die Pointe des Witzes ist ein labiles und dramatisches Zusammentreffen mehrerer Satzsinne oder Sachverhalte, freilich auf ungeregelte Art".

Das Witzigste ist, dass dieser Witzmacher es erst meint. 






Freitag, 10. Mai 2013

Der reale Humanismus




Hat sich das Bewusstsein in der Gesellschaft nicht eben gewandelt?
War nicht noch gerade die Ansicht vorherrschend, Menschen könnten selber Menschen sein
wie die Kunst selber Kunst machen kann? 
Eine Rückbesinnung hat eingesetzt“.
Und was jetzt nicht alles “einsetzt”. – Viele (denn es sind die “Vielen”) setzen so ein, dass sie den Staat nicht nur mehr als Eingreifer sehen, sondern auch als flächendeckenden Zuchtmeister. Der realhumanistische Staat soll sorgen, dass es gleich und gerecht zugeht, dass das Wachstum noch schneller wächst, dass selbst der Zuchtloseste noch herangezüchtet wird und eine Chance auf viel mehr Zuchtprämie erhält, dass die Umwelt getrennt und sortiert wird und sich züchtige Regierungskandidaten auf Kosten der allgemeinen Stadtwerke bereichern können.
Einschränkungen ihrer Freiheit nehmen die meisten dafür gern in Kauf. Denn die meisten im tiefsten ihres erneuerbaren Unterbewussten empfinden und spüren noch den starken Geist der einstigen Führer. Denn wenn sich einige gegen die Gemeinschaft rücksichtslos verhalten und nur darauf bedacht sind, ihre eigenen Wünsche, Ziele und Interessen durchzusetzen – ja dann müssen oft die anderen  darunter leiden.
So hat die Gier zu den bekannten Exzessen geführt, für die unsere ehrenwerten “Retter” dann am Ende die Gemeinschaft heranziehen mussten. Namenlose Regierungen hatten zuvor, im Namen namenloser Freiheit, namenlose Märkte entfesselt. Aber wie sich herausstellte, führte dies auf Dauer nicht zu mehr namenloser Freiheit und namenlosem Wohlstand für alle Namenlosen, sondern nur zu exorbitant namenlosen Vorteilen für wenige Namenlose.
Heute besteht kein Zweifel mehr, dass die Freiheit eine ordnende Hand in Form einer starken Regulierung und Züchtigung braucht, so wie es das Konzept des ursprünglichen Realhumanismus schon immer vorsah. Die Jünger eines falsch verstandenen zuchtfeindlichen Neoliberalismus, wie in Wissenschaft und Medien noch vereinzelt anzutreffen sind, stehen mittlerweile auf verlorenem Posten.
Ähnliches gilt auch in anderen Bereichen. Bevormundung und Anpassung schrecken daher kaum noch jemanden. Im Gegenteil: Viele wünschen sich, dass die Staatsführung eingreift und auch im gleichen Miteinander den gleichen Geist durchsetzt.
Tagesbefehl an die Kunstarmee: Antreten zum Appell an die kommende realhumanistische Staatsführung!



Samstag, 30. März 2013

Die Kunst, die GOTT köpfte


"Dieses Kunstwerk ist das Schwert, womit der Deismus hingerichtet worden".


"Ehrlich gestanden, ihr Franzosen, in Vergleichung mit uns Deutschen seid ihr zahm und moderant. Ihr habt höchstens einen König töten können, und dieser hatte schon den Kopf verloren, ehe ihr köpftet. Und dabei mußtet ihr so viel trommeln und schreien und mit den Füßen trampeln, daß es den ganzen Erdkreis erschütterte. Man erzeigt wirklich dem Maximilian Robespierre zuviel Ehre, wenn man ihn mit dem Immanuel Kant vergleicht. Maximilian Robespierre, der große Spießbürger von der Rue Saint-Honoré, bekam freilich seine Anfälle von Zerstörungswut, wenn es das Königtum galt, und er zuckte dann furchtbar genug in seiner regiziden Epilepsie;aber sobald vom höchsten Wesen die Rede war, wusch er sich den weißen Schaum wieder vom Munde und das Blut von den Händen und zog seinen blauen Sonntagsrock an, mit den Spiegelknöpfen, und steckte noch obendrein einen Blumenstrauß vor seinen breiten Brustlatz". Heine

Sonntag, 27. Januar 2013

Tagesbefehl an die Kunstarmee - Zurück zum Herrenwitz



Für die Kunstarmee wird nicht erst seit heute die Frage virulent, wie ein Weltbild aussehen könnte, das den Herrenwitz zum zentralem Bezugspunkt nimmt. Ein gleichsam intimes In-der-Welt-Sein, das sich auf einer Stufe mit anderen Lebewesen und Organismen und mit diesen herrschaftlich vereinbar sieht. Die philosophischen, aber auch künstlerischen Ansätze, die sich dies zum Ziel gesetzt haben, lassen sich bis weit in die Jahrhunderte zurückverfolgen. Deshalb ist es immer wieder nötig, an die uneingelösten Versprechen und Ideen dieser Denkschulen zu erinnern bzw. sie nach Möglichkeit auf den Stand der Zeit zu bringen. Die Frage, inwiefern künstlerische Praktiken in dieser Hinsicht nicht ohnehin meist einen Schritt weiter und in Sachen Entthronung des alles bestimmenden Subjekts federführend waren, stellt hier eine ergänzende Perspektive dar.

Insgesamt mutet es reichlich paradox an, aus intellektueller, also denkender Position der Basis dieses Denkens, sprich den subjekt- oder personenzentrierten Herrenwitz, eine Absage zu erteilen. Das Fundament aller weltlichen und ästhetischen Erfahrung dadurch untergraben zu wollen, indem man das, was außerhalb ihrer selbst liegt, einzuholen versucht. Ja sich anschickt, aus diesem Einholen und Sich-Öffnen eine antiästhetische und antiherrliche Denkbasis aufzubauen.

Samstag, 15. Dezember 2012

Die Schönheit des Opels





Ab 2016 ohne Bochum

Beim Übergang zur Betrachtung des eigentlich idealen Stils müssen wir uns noch einmal daran wieder erinnern, dass dem vollkommenen Design notwendig das unvollkommene voranzugehen hat. Und zwar nicht bloß der Technik (serienmäßige Frontspoiler, mattschwarz lackierte Motorhaube, schwarze Fensterumrandungen etc.), welche uns zunächst hier nichts weiter angeht, sondern der allgemeinen Idee, der Konzeption und innersubjektiven Art und Weise: Stiefel nachrahmengenähter Machart, glatte Ledersohle und konisch zulaufende Schuhspitze - bei jedem Wetter den Ellenbogen aus dem Fenster. 

Samstag, 10. November 2012

Nie wieder Deutschland schöner gesehen



Als man das Haus noch als subtropisches Schwimm-, Bade-, und Saunaparadies gestalten konnte, weil Energie so billig war.

Als Hausfrauen noch zu Hause bleiben durften, um für die Kinder da zu sein und Briefträger mit Morgenrock und Lockenwicklern zu verführen.

Als Herren noch Herrenmagazine entdeckten, am Kiosk, ganz hinten versteckt. 

Röhrende Hirsche auf Waldlichtungen über Sofagarnituren hingen, während im Zweiten Deutschen Fernsehen ein Wilddieb in eine Schlucht fiel und ein junges Paar in einer Kutsche zu wimmernden Geigen unter dem Schriftzug "Ende" auf einer Allee aus Rosenbüschen fuhr.


Als deutsche Teddyboys sich Pomade in die Haare schmierten, fast so schön wie Elvis, Lucy in the sky with diamonds und Uschi Obermaier kamen.

Als es noch eine Avantgarde gab, die Kunst machte, die sogar Staatsanwaltschaften interessierte. 

Als es in Deutschland noch ein echtes Fabrikproletariat gab, und Studenten und Lehrer früh aufstanden, um morgens um sechs Uhr am Werktor mit ihnen revolutionäre Solidarität zu haben.


Als die selben Studenten und Lehrer noch Ejakulationen hatten, weil sie eine rote Fahne vorne weg tragen durften und die Leute von der Straßenseite "geht doch rüber" riefen.

Als es noch "Gammler" gab, die so schöne Worte wie "Bocklosigkeit" erfanden und poetisch begabte Stadtsoziologen es als "motivationale Dysfunktionalität der kognitiven Disposition bei subversiven Populationsanteilen hinsichtlich sozialstruktureller Statuszuweisungen und Verhaltenserwartungen" deuteten...

Samstag, 22. September 2012

Video kills Mohammed-Superstar



“Pictures came and broke your heart”
Video – Medium mit allgemeinem Gebrauchswert. Gegen sonstwas, Christen, Juden, Muslime, jede Art von Weltanschauung, Geschlecht etc.
Machart – Protestantischer Minimalismus – Katholizismus, Islam, Koptiker = ästhetischer Überfluss:
Sure 56,15-23: “Auf golddurchwirkten Ruhebetten liegen die, die Gott nahe stehen, einander gegenüber, während ewig junge Knaben unter ihnen die Runde machen mit Humpen und Kannen voll Wein und einem Becher voll von Quellwasser, von dem sie weder Kopfweh bekommen noch betrunken werden und mit allerlei Früchten, was immer sie wünschen, und Fleisch von Geflügel, wonach sie Lust haben. Und großäugige Houris haben sie zu ihrer Verfügung, in ihrer Schönheit wohlverwahrten Perlen zu vergleichen” .
Action – “Und tötet sie, wo immer ihr sie trefft”
Vorgeschrieben ist euch der Kampf, obwohl er euch zuwider ist. Aber vielleicht ist euch etwas zuwider, während es gut für euch ist. Und vielleicht liebt ihr etwas, während es schlecht für euch ist. Und Gott weiß, ihr aber wißt nicht Bescheid.
Meinung (ist frei) darf auch Schlechtes meinen. Beispielsweise über Religion. Oder über einen Staat. Aber nicht über eine Religion, die auch Staatsgewalt ist. Das hat damit zu tun, dass bei Gleichheit von Religion und Staat eben diese nicht für sich sind, also Religion und Staat als solche auch nicht gemeint werden können. Die absolute Trennung vom Staat ist das Beste was einer Religion passieren kann. Denn dann kann sie selbst für sich gemeint werden. Und erst dann wissen, dass sie Religion und nur Religion ist. So kann auch erst an sie und nur an sie geglaubt werden.
Die Darstellung des Kopernikanischen Sonnensystems wäre auch nie Religionsbeleidigung gewesen, wenn nicht das kirchliche Rom Teil des weltlichen Machtstrebens gewesen wäre.
Reality – “Also macht euch Allahs seine Zeichen klar, auf daß ihr euch leiten lasset”
In die neuerliche Gewalt wird jetzt viel hineingeworfen: Hass auf West, koptische Subversion, inner-islamische Kämpfe usw.
Aber kann es die Sicht einer bürgerlichen Gesellschaft, in der es final um kontinuierliche Wohlstandsvermehrung und Besitzstandssicherung geht, überhaupt begreifen? Was ist mit der existenziellen Lebenssicherung dahinter? Wird diese nur noch erreicht, durch Aufgabe dessen, was gesichert werden soll? Wo sind die Leidenschaften, die es nicht sein können in dem, was gewohnheitsmäßig wird und so auch sicher sein soll? Wirkliche Bewegung im Betonwerden zufällig vorübergehender Bestimmungen?
Rückblickend auf die letzten zehn Jahre gibt es ein gewisses Muster: eine “unsachgemäße” Behandlung des Korans und gewalttätige Ausschreitungen in unmittelbarer Folge. Fast könnte man ein sich selbst reproduzierendes interkulturelles System dahinter vermuten.
aus netzbeton

Sonntag, 9. September 2012

Einführung in die Programmierung virtueller Diktatur






Keine Ahnung, 

ob Evolution Fortschritt ist oder ein dynamischer Prozess zur Erhaltung des Status quo. Mag sein, dass alle Insekten, die sich den permanenten Peztizidenangriffen gegenüber angepasst haben, jetzt die besseren Insekten sind. Genau wissen kann man es nicht. Die angeblich Primitiven sind fast verschwunden, die angeblich Zivilisierten angeblich immer höher zivilisiert. Unsere Kultur soll großartige Dinge in der Bewältigung von Dingen, die anscheinend aus welchen Gründen auch immer tatsächlich zu bewältigen waren, vollbracht haben. Einiges wurde bedacht, vieles blindlings vollbracht, wie Kulturdienst nach Vorschrift. Wir sind integrativ wie auch assimilativ. Darin auch programmiert, wie eine Art Sozialcomputer. Rein menschlich gesehen sind unsere Algorithmen gar nicht so schlecht, 


wie es vielleicht 
einer dieser letzten Wilden 
denken könnte.





Donnerstag, 30. August 2012

Der Schrei



Es ist nicht Sache der Kunst, 
wenn die Ärmsten ärmer werden. 
Die Reichsten müssen nur 
noch reicher werden.

Montag, 30. Juli 2012

Drittletzter Blog, bevor Europa untergeht


Jeden Tag seh ich es klarer. 


Der Untergang muss kommen. Wir brauchen ihn, und zwar  dringend. Die schönen Strahlen der Aufklärung, wie auch den Mut aufzubringen, den eigenen Verstand, so vorhanden, zu verwenden, waren eine gut gemeinte Sache. Dennoch haben uns die Energien des Gegenteils aus irgendeinem Grund voll erfasst. Ohne die Ästhetik einer Katastrophe kommen wir nicht weiter. Zu lange liegen die letzten Weltkriegskatastrophen zurück, als dass man sie erneuern könnte. Von den Erkenntnischancen einer atomaren Konfrontation, wie sie uns in den 50er bis 80er Jahren eingeräumt wurden, haben wir ebenfalls keinen Gebrauch gemacht.


 Sonst wären wir heute schon weiter.





"Die Nervosität der Bilder steht auch im Gegensatz zu der Ohnmacht angesichts der sich langsam nähernden Katastrophe, welche Europa schließlich in die Verzweiflung treiben und Justine mit Gelassenheit das Ende erwarten lässt. Ihr inneres Unglück erscheint angesichts des Unausweichlichen unbedeutend: Justine hat bereits alles verloren, während Europa alles genommen werden wird".



Sonntag, 17. Juni 2012

Ist das Documenta oder kann das weg?




In Betrachtung sogenannter Kunst machen Aussteller, Kuratoren und sogenannte Künstler sich es leicht, eine große Ausdehnung darin zu haben, was interessant, authentisch, verstörend, irritierend und so weiter sein soll. Sie ziehen auf der besorgten und bereitgestellten Fläche ihr Material, nämlich das schon Bekannte, Sortierte und Klassifizierte, heran. Und indem sie sich weiter vornehmlich um die Materialanhäufungen und Materialfetischismen zu tun machen, scheinen sie um so mehr das übrige, womit die vorgetragene Kunst schon fertig war, zu besitzen, zugleich auch das noch Unsortierte zu beherrschen, und somit alles dem Ausstellungskonzept zu unterwerfen, welches dadurch in allem erkannt, und zur auszubreitenden Kunst aufgestiegen zu sein scheint. Näher betrachtet zeigt aber diese Ausbreitung, dass sie nicht dadurch zustande gekommen ist, dass die Kunst sich selbst verschieden gestaltet hätte, sondern sie nur die bloße Wiederholung des einen und desselben ist, das nur an das verschiedene Material äußerlich angewendet wurde, und einen langweiligen Schein der Verschiedenheit erhält. 

Theaster zeigt halbverrottete Wandteile, Türen und Fenster, verbaute sie in einem heruntergekommenen Haus, wo nun Künstler während der Documenta wohnen, sich beobachten lassen und abends Jazz spielen… Lara häuft Metallschrott zu einer Skulptur, Teil zwei der Arbeit wird in Bagh-e Babur ausgestellt… Wael macht Puppenfilme frei nach einem Buch des Schriftstellers Maaloouf zu Kreuzzügen aus Sicht der Araber… Sanja zeigt ein Zeitungsbild aus 1933 mit einem Esel, der in einem kleinen Pferch aus Stacheldraht steht und von Nazis verspottet wird, das in die Mitte ihrer Installation "The Disobedient " hängt, zu der auch eine Vitrine voller Plüsch-Esel gehört… Tacita hat das Panorama der Bergkette um Kabul mit Kreide auf die schwarzen Wände eines ehemaligen Tresorraums gemalt… Gareth bastelt seit drei Monaten mit Sperrmüll, Fundstücken und gutem Geist an einer Architektur, die er Hüttendorf nennt… 

Die für sich (wohl als unbedingt "politisch" verstandene Idee) bleibt in der praktischen Umsetzung in ihrem permanenten Anfang stehen, wenn die Entwicklung in nichts als in einer solchen Wiederholung derselben Formel besteht. Die eine unbewegte Form vom betrachtenden Subjekt an dem Vorhandenen herumgeführt, das Material in dies (politisch irgendwie kritisch sein wollende) Element von außen her eingetaucht, dies ist so wenig, als willkürliche Einfälle über den Inhalt, die Erfüllung dessen, was behauptet wird, nämlich die aus sich kommende Vielfalt des (politisch) Authentischen und der sich selbst bestimmende Unterschied der Formen. Es ist vielmehr ein monotoner Formalismus, der nur zum Unterschied des Materials, und zwar dadurch kommt, weil dieser schon (politisch) kuratiert zubereitet und bekannt ist.

Samstag, 9. Juni 2012

Nur die Würmer in den Äpfeln sind wahre Künstler




Das radikale Selbsterkennen im absoluten Anderssein ist schon lange nicht mehr Grund und Material für Kunst. Was dem Betrachter an der Kunst jetzt gezeigt wird, ist die Auflösung dieses Anderssein in die Anpassung an gegebene Strukturen. Was aber noch übrig bleibt, ist die in den Betrachter verlängerte und dort erhaltene Vorstellung, dass die Kunst sich irgendwie immer noch im Anderssein bewege. 

Eine Reihe Apfelbäume wird gepflanzt, um später aus der Apfelernte Apfelmost zu produzieren und zu verkaufen. Ein gewerblicher Vorgang. Die Wiederholung dieses Vorgangs in einem Raum, der als Kunstraum behauptet wird, findet auch einen entsprechenden Kunsttext. Der Kunsttext behauptet, dass eine Reihe Apfelbäume gepflanzt wurde, um später aus der Apfelernte Apfelmost zu produzieren und zu verkaufen, aber nicht ohne zu ergänzen, dass der Vorgang in seiner Wiederholung dem Vorgang einen tieferen Grund gäbe. Wenn der angezeigte Grund, der in dem behaupteten Kunstraum geliefert wird, dem Betrachter dann einen Sinn für Kunst vermittelt, und die Kunst eben nur diese Vermittlung eines Anlasses für Kunst ist, ist dagegen das übergehende Wissen um die hierdurch zustande gekommene Selbstbestätigung von Kunst, gegen das mögliche Selbsterkennen in einem möglichen Anderssein gerichtet.


Zu Avantgards Zeiten gab es mehr von dem, was möglich werden könnte. Heute gibt es zu viel von dem, was längst schon möglich ist.


Die affirmative Kunst ist eine Mitmachkunst. Sie macht das Bekannte bekannt, das eben darum von den Mitmachenden ebenso wenig erkannt wird wie das Affirmative dieser Kunst selbst. Es ist gewöhnliche Selbsttäuschung wie Täuschung anderer, beim Mitmachen etwas als bekannt vorauszusetzen, um es sich dann doch als herbeigeredetes Unbekanntes gefallen zu lassen. Mit allem Hin- und Herreden kommt solche Kunst, ohne zu wissen, wie ihr geschieht, nicht von der Stelle seiner unerkannten Bekanntschaften. Das Event, das üblicherweise um diese Kunst herum konstruiert wird,  geht zwischen den Mitmachenden, die in sich und für sich unbewegt bleiben, hin und her, nur auf ihrer Oberfläche vor. Immerhin können sich die Mitmachenden aber noch darin verlängern, dass sie prüfen, ob jeder den behaupteten Text auch in seiner Wahrnehmung findet, ob es ihm so scheint , ihm bekannt ist oder nicht.